Wir Richter werden sehr oft zu Ereignissen, Beschlüssen und Vorhaben im SV befragt, sind aber oft nicht in der Lage, vernünftig Auskunft zu geben, weil auch wir als "Zuchtverantwortliche" nicht umfassend informiert sind. Deswegen hier einige Anmerkungen zu aktuellen Themen.

Am 12.-13 Dezember war die Zuchtrichtertagung in Paderborn eine aktuelle Informationsquelle. Prof. Dr. Martin Fischer und Frau Dr. Karin Lilje stellten ihre Ergebnisse einer Bewegungsstudie dem staunenden Richterkollegium vor, welches nicht glauben wollte, dass die relativen Längenverhältnisse der einzelnen "Bewegungsknochen" des Schäferhundes bei der sog. Showline und den Leistungshunden nahezu gleich sein sollten. Gleiche Länge aller Oberarme, auch bei den "feindlichen" Leistungsböcken? Das durfte nicht sein. Man sollte halt den Machern einer Studie vorher mitteilen, was der Auftraggeber im Ergebnis gerne bewiesen haben möchte. Wichtigste Erkenntnis: Das lange, richtig gelagerte Schulterblatt ist entscheidend für die Schrittweite, nicht der Oberarm, nicht die Lage der Kruppe und Winkelung der Hinterhand.

Seht euch doch mal in der Dezemberzeitung 2009 die Bewegungsstudie Seite 885 an, ich finde die viel aussagekräftiger: Der rechte Unterschenkel der Führerin bewegt sich parallel zum linken Unterarm des Hundes aus der "Showline" und fußt punktgenau im gleichen Augenblick auf, während sich der rechte Unterarm des Hundes parallel zum linken Oberschenkel der bewegt oder so ähnlich ... ++++++ Herr Grube stellte die Änderung der Richterordnung und die angedachte Installation eines Richterehrenrates vor. Dieser könnte notwendige Verfahren gegen schwarze Schafe vereinfachen und beschleunigen. Komisch: Alle schwarzen Schafe aus den Richterkollegien haben sich schon in der Vergangenheit immer erfolgreich aus diesen Geschichten herausgeklagt und saßen nachher noch fester im Sattel als vorher. Das kann auch ein Ehrenrat ganz sicher nicht verhindern. Alle etablierten Richter wurden aufgefordert, die neuen Satzungsregeln für das ab dem 01.01.2010 geltende Richteramt auf Zeit freiwillig anzuerkennen. Der SV entscheidet dann alle 4 Jahre, welche Richter weitere 4 Jahre ihr Amt ausüben dürfen. Klar, dann ware ich bestimmt bald aufgeräumt und wer laut seine Meinung sagt, könnte ohne große Begründung eleminiert werden. Die totale Überwachung hat sich ja bereits für einige Kollegen offensichtlich voll ausgezahlt. Doch dazu später! Schuld an solchen idiotischen Beschlüssen sind unaufmerksame Delegierte, welche sich nach kurzer geschickter Ablenkung über den Tisch ziehen lassen. Wenn ich in der nächsten Delegiertenversammlung die Möglichkeit bekomme, meine LG zu vertreten, werde ich ganz sicher besser aufpassen! ++++ Herr Meyer belegte mit seiner Statistik, dass die Hunde der GHKL-R an der SHZS nun im Schnitt deutlich unter 65cm gemessen wurden, um anschließend klar zu machen, dass er ein neues Problem in unserer Zucht ausgemacht und auch schon an bestimmten Rüden festgemacht hat: Der viel zu lange Unterschenkel in einer überwinkelten, instabilen Hinterhand. Als Beweis diente eine von Videospezialisten geschickt erstellte Präsentation, in welcher anhand von Bewegungsaufnahmen bewiesen werden sollte, dass Hunde mit überwinkelter Hinterhand, weniger Kraft und Schub aus dieser entwickeln können. Dass bei den Momentaufnahmen der "Überwinkler" die Kletterwand deutlich steiler verstellt war, störte nicht wirklich. Alle Kollegen reagieren im Übrigen schon seit geraumer Zeit auf dieses Problem. Größere Probleme bekamen jetzt allerdings die Besitzer von Spitzenhunden der SHZS, welche nun missliebige Bilder eingereicht hatten. Sie schauten auf der neuen Highlight-CD in die Stadionrunden-Röhre. Ach ja, es muss halt jedes Jahr etwas Neues thematisiert werden, das verunsichert so schön und bringt auch noch die letzten verbliebenen Hobbyzüchter dazu, keine eigenen Zuchtvisionen mehr zu entwickeln. Was in der Zucht richtig und falsch ist, entscheidet nach wie vor ... das zuchtverantwortliche Richtergremium jedenfalls nicht!

Die Vorstellung der GHKL-Rüden war früher immer einer der Höhepunkte dieser Tagung. Und wenn dann Herr Orschler seine Analyse der Vererbung (Körstistik) aller VAs schonungslos offen und erstunlich objektiv darbot, konnte man im Saal eine Stecknadel fallen hören und jeder schrieb mit, was das Zeug hielt. Herr Meyer macht das Ganze doch deutlich weniger spannend, spricht gerne von zu erwartender Vererbungskraft aufgrund von ... und vergisst dabei aber nie, immer wieder sein Hassobjekt Zamp für alles Schlechte in der Zucht verantwortlich zu machen. Wir sagen in Bayern für:"Is ja scho gut" auch "Mensch Maier"!!

Gerade halte ich die Dezemberzeitung in den Händen und überlege angestrengt, was im Vorwort der Satz mit der "Toleranz in allen Bereichen" zu bedeuten hat. Herr Meyer sollte doch Ross und Reiter nennen, aber das könnte nach dem erfolgreichen Coup mit Javir vielleicht doch noch Stimmen im Leistungslager kosten und die werden ganz dringend benötigt. Aber er hat ja recht, ich kann aus rechtlichen Gründen auch nicht jeden beim Namen nennen, deswegen sag' ich's durch die Blume, dann kommt's nicht so bierernst rüber (wie's eigentlich gemeint ist?) - Alles Quatsch!

Herr Pierre Wahlström aus Schweden stellte seinen legendären, oben bereits angedeuteten Mentaltest vor. Über den Sinn des Ganzen und die Praktizierbarkeit will ich mir an dieser Stelle kein Urteil erlauben, ich staune nur und bin mir ganz sicher: Da rollt Backstage heimlich wieder eine neue Angriffswelle gegen die Kompetenz der Körmeister und wenn's dann beschlossen ist, will wieder keiner vorher was gewusst haben, wie in Kundus. Ich werde mich hüten, diese Methoden zu benennen, aber meine Gesinnungsfreunde wissen ganz genau was ich meine. Und nur für die wird diese Homepage geplegt. Wer hier nur draufklickt, um auszuspionieren, welchen falschen Satz ich geschrieben habe sei gesagt: Der Lauscher an der Wand, hört sei eigne Schand!

Pflegefall Schäferhund? > Pflegefall SV? Was ist nun richtig? Ich weiß es ganz genau, darf's euch aber hier nicht verraten.

Wichtige Themen wären für mich gewesen:

1. Wie steht der SV zum RSV 2000, wie sollen wir Richter damit umgehen? Den Verein gibt es offensichtlich nicht wirklich, er wird lieber einfach totgeschwiegen. Kann ich meinen Leuten ja so mitteilen.

2. Wann können die Langhaar in das System eingegliedert werden? Während einige nette Richterkollegen (die meisten sind richtig nett) gut gemeinte Vorschläge unterbreiteten, wie man den wartenden Mitgliedern eine Perspektive für dieses Jahr aufzeigen könnte, war dieses Thema für Herrn Meyer in einem Satz "für dieses Jahr erledigt".

3. Der dramatische Rückgang der Wurfeintragungen. Was sind die Ursachen? Ich weiß, dass es hierfür viele Gründe gibt. Vielleicht ist das ganze System krank, vieleicht sind auch wir Zuchtrichter nicht ganz unschuldig daran? Einige handeln vielleicht nach dem Grundsatz: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's einfach ungeniert. Der kleine Züchter fühlt sich ganz sicher vom Vorstand und seinen Gremien im Stich gelassen. Da sitzen aber auch meist keine kleinen Züchter. Alles wird undurchsichtiger und jedes Jahr komplizierter, von der Teuerung ganz zu schweigen. Der Vertrauenschwund an der Basis ist vielleicht größer, als wir uns das vorstellen können oder wollen. Wer kann sich denn noch eine Deckanzeige in der SV-Zeitung leisten? Und hast endlich ein gutes Bild, passt wieder alles nicht: Die Rute ist zu lang, ebenso jetzt der Unterschenkel, der Hintermittelfuß liegt auf, die Kaliumpermanganat-Farbe ist unnatürlich, die Oberlinie ungeschickt retuschiert, der Hund hat den falschen Besitzer ... sorry, nimm ich zurück, das geht denn doch zu weit und stimmt auch fast nicht.

4. Die Jugend findet den SV zunehmend unattraktiv. Kein Wunder! Stell dir du bist 16, besuchst die Übungsstunde einer Ortsgruppe und sucht einen Ansprechpartner. In den meisten Ortsgruppen dominieren doch grimmige alte Männer fast aus dem letzten Jahrhundert und wenn sie nicht ganz so alt sind, benehmen sie sich, als ob sie's doch wären. "Ey Alter, null Bock auf solche Grufties. Übungsstunde Sonntag um 9? Die ham sie nicht mer alle, da komm ich gerade erst heim, ein absolutes Nogo!" Vor den Hunden war ich im Brieftaubensport aktiv und sehr erfolgreich. Der Verein hieß: Nur kein Neid! Die gibt's auch nicht mehr. Heute las ich in der Zeitung, dass die Jugend in Spanien den Stierkämpfen fernbleibt, weil die Stiere verzüchtet sind: Viel Masse, wenig Klasse, will heißen auf massigen Körperbau gezüchtet und harmlos unbeweglich. Und? ... Herr Meyer hatte mit der Größe doch recht. Wir brauchen einen mittelgroßen, unmassigen schnellen Gebrauchshund, der alle die Vorzüge aufweist, welche dem Gebrauch dienen. Wie seh'n die denn dann aus? Welchem natürlichen Gebrauch dient eigentlich dieser wahnsinnig wichtige Vortritt? Wenn der Wolf in der Natur eines Tages eine Ausdauerprüfung absolvieren müsste oder ... was hat der den für 'nen Oberarm???

Ich schreib schon wieder zuviel, komm vom Thema ab und ins Grübeln, wie ich meinen Ausstellern erklären soll, dass die ganze Kritik an Oberarm und Kruppe eigentlich keine Bedeutung hat.

Ich habe jetzt so eine eigentümlich Sanftmut in mir??? Vielleicht sollte man nicht so viele Nächte zwischen seinen Ausführungen schlafen, das beeinflusst den Kampftrieb.

Noch ein Wort zum Schluss: Mir ist natürlich vollkommen klar, warum ich an "unserer" HZS nicht richten konnte, ich muss mich auf verantwortungsvollem Posten eben erst mal bewähren und bin schlichtweg unentbehrlich. Der Bösl wird uns auch fehlen, Mensch!

Eigentlich wollte ich mich ja an Weihnachten mit einer neuen Körung-Überwachungs-Videokamera beschenken lassen, aber die brauch ich ja jetzt nicht mehr. Erstens weiß ich jetzt sowieso, wer die übernächste JHKL-Rüden richten wird und ... zweitens kommt es oft ganz anders als so mancher denkt!

Übrigens habe ich auf meine frechen Kommentare unglaublich viel netten Zuspruch erfahren, dafür herzlichen Dank!

Jetzt werde ich mich auf meine Aufgaben zum Gelingen der SHZS in Nürnberg konzentrieren!

Viel Glück im Neuen Jahr!